Deutscher Handball auf dem Weg zur Randnotiz
Das Vertrauen des Verbandes hat Heuberger. „Die Mannschaft hat Fortschritte gezeigt, sie ist als Team aufgetreten. Der Trainer war nicht das Problem. Er hat mutig gecoacht. Martin hat einen Dreijahresvertrag und ich gehe davon aus, dass er den erfüllt“, meinte Vizepräsident Horst Bredemeier.
Bis tatsächlich wieder Titel eingefahren werden, wird es nach den jüngsten Eindrücken allerdings noch einige Zeit dauern. Zwar zeigte das Team in der Vorrunde reichlich Moral, doch es fehlte schlichtweg an Qualität beim Personal, um die Matchbälle gegen Dänemark und Polen in der Hauptrunde zu verwandeln und ins Halbfinale einzuziehen. So sieht es auch Heiner Brand, der seinen Nachfolger aus der Schusslinie nahm. „Martin hat seine Aufgabe zu 100 Pozent erfüllt. Er steht nicht zur Diskussion“, sagte Brand, mittlerweile DHB-Manager.
Beim Verband blickt man jedoch der Gefahr ins Auge, dass die Nationalmannschaft zu einer Randnotiz verkommt. Durch die verminderte Fernsehpräsenz könnten sich finanzkräftige Sponsoren zurückziehen. „Das Olympia-Aus ist das schlimmste, was passieren konnte“, sagte DHB-Präsident Ulrich Strombach: „Aber der Handball in Deutschland geht davon nicht kaputt.“ Kaum hatte Strombach diese Worte formuliert, bekam er die volle Breitseite ab. „Ahnung vom Handball hat der nicht“, sagte Silvio Heinevetter und zeigte sich irritiert über das Verhalten Strombachs vor Ort: „Wenn man nicht ein einziges Hallo zur Mannschaft sagt und in den Medien erzählt, wir kommen ins Halbfinale, dann muss man sich überlegen, ob man nicht zu Hause bleibt als Präsident.“ Ins Haus steht dem deutschen Handball damit wohl ein kleines Schmierentheater, denn Strombach fühlte sich mächtig auf den Schlips getreten. „Ich glaube nicht, dass ein Silvio Heinevetter beurteilen kann, ob ich Ahnung vom Handball habe“, raunzte der Präsident: „Ich bin jetzt schon seit 15 Jahren dabei, und in dieser Zeit hat sich nie jemand über mein Verhalten zur Mannschaft beschwert.“
In DOSB-Präsident Thomas Bach hatte zuvor ein noch mächtigerer Mann einen Neustart bei den Handballern gefordert, war damit aber auf wenig Gegenliebe gestoßen. „Ich werde keinen verbannen. Die Jungs sind eine verschworene Einheit. Warum sollte ich die sprengen?“, fragte Martin Heuberger. Von einem radikalen Umbruch hält auch Heiner Brand nichts. „Das hört sich immer so schön an“, sagt er, „aber man muss auch die Möglichkeiten sehen. Zu den aktuellen Nationalspielern gibt es kaum Alternativen.“ Das klingt nach Schockstarre und einer langen Durststrecke für den deutschen Handball.
Quelle: Kreiszeitung/sid/dpa

















































